Ich habe aktuell ein iPhone 4S und diverse Windows Phones (HTC Titan, Samsung Focus S und Nokia Lumia 800 in blau) im Einsatz – im täglichen Einsatz, wohlgemerkt. Dabei haben sich für mich die Vorteile der beiden Plattformen iOS / iPhone und Windows Phone und ihre Nachteile entsprechend herauskristallisiert.
iPhone 4S – Hardware
Super. Fasst sich genial an, ist wertig, das Display ist eine Wonne, die Antenna-Gate-Problematik ist lange Geschichte, die Kamera ist absolute Bombe. SO muss sich ein hochwertiges Telefon einfach anfühlen.
Nokia Lumia 800
Wow. Haptisch ebenfalls eine eigene Klasse, was man aus Plastik (=Polycarbonat) so alles machen kann. Ganz großes Kino und auch optisch ein Hingucker. Die Akku-Probleme sollten laut Nokia nicht mehr auftreten, es fehlt dem Power-User aber dennoch an Ausdauer und eine Frontkamera, sowie ein Gyro sind auch nicht an Bord. Das Display ist sehr angenehm, allerdings wirkt es nach den jüngsten Updates etwas dunkel. Die Kamera-Software ist irgendwie noch optimierungsfähig, gerade in dunkleren Umgebungen oder bei Kunstlicht kommt nicht immer etwas brauchbares herum. Sonst: Klasse.
Samsung Focus S
Das Focus S ist der eigentliche Nachfolger des Omnia 7, es gibt es aber nicht in Deutschland zu kaufen, sondern lediglich als Import aus den USA. Im Grunde handelt es sich um eine Mischung aus Galaxy S und Galaxy S Plus, mit einem leicht angepassten Gehäusedesign. Leicht, flach, sehr gutes 4,3 Zoll-Display, gute Kamera – das Gerät könnte ein echter Knaller auf dem Markt sein, wenn man es denn in Deutschland bekäme. Etwas negativ fällt die Haptik auf – es ist halt gewöhnliches Plastik, die Rückseite wirkt sogar recht billig. Aber: Optisch sehr gefällig, sehr gute Technik verbaut – Top!
HTC Titan
Das Titan fällt aus der Reihe – das 4,7-Zoll-Display ist ein echter Hingucker, das Gerät selbst ist dabei sehr flach und passt deshalb trotz der Größe in die Hosentasche. Die Kamera ist gut, das Gehäuse sehr gut verarbeitet, das Plastik wirkt deutlich hochwertiger, als das beim Samsung. 4,7 Zoll muss man mögen, ebenfalls den einzigen SLCD-Screen hier im kleinen Vergleich – für Viele ist das Gerät meist zu brutal groß (optisch wirkt es eine ganze Klasse größer, als die Konkurrenz), die inneren Werte überzeugen aber. Reine Geschmackssache – ich hatte das Titan in der Hand und wollte es haben, andere finden es zu groß.
iOS – Software
iOS selbst ist optisch eine Augenweide – wenn man sich die Icons genauer anschaut, entdeckt man beispielsweise, mit wie viel Liebe zum Detail alles gemacht worden ist. Ja, es sieht etwas … altbacken aus, aber dennoch: Eine Augenweide. Die Usability der System-Applikation ist meist gut, manchmal wirkt jedoch der eine oder andere Screen recht überladen. Funktional passt es für die allermeisten Anwendungsfälle – und Features wie iMessage oder Visual Voicemail sucht man bei der Windows Phone-Konkurrenz in Deutschland vergeblich. Der AppStore platz förmlich aus den Nähten, Hintergrund-APIs und Push-Notifications funktionieren anstandslos.
Was mich stört: Die Apps sind nicht wirklich miteinander integriert – will ich ein Foto zu Facebook hochladen, dann muss ich das Foto über die exzellente Kamera schießen, dann in die FB-App wechseln und es von dort hochladen. Kontakte aus FB mit den Kontakten auf dem Device synchronisieren geht zwar, aber man muss dann doch erstmal durch diverse Menüs durch. Und SMS und FB-Chat sind mal eben zwei komplett getrennte Applikationen. Auf Dauer ermüdet das etwas, wobei beispielweise Siri und iCloud dann wieder Beispiele für eine wirklich gelungene Integration von Diensten ins System sind, die tatsächlich Potential haben, um Kunden langfristig zu binden. Das Notification-Center ist ein Traum, den man auf Windows Phone-Seite derzeit noch träumen muss und nicht leben kann.
Dem System merkt man sein Alter inzwischen an – und das meine ich als Kompliment, denn eine Vielzahl an Funktionalitäten sind einfach auf den anderen Plattformen so nicht oder noch nicht so implementiert – es sei nur an Details, wie die Reader-Funktionalität im Browser erinnert, die dem Benutzer einfach das Gefühl vermitteln, ein ausgereiftes und komplett durchdachtes System zu benutzen.
Windows Phone
Ich gebe es zu: Ich liebe Windows Phone! Ich mag die Plattform, ich mag das UI, ich liebe die Integration der verschiedenen sozialen Netzwerke ins System, ich mag den komplett eigenen Stil, gerade verglichen mit den verschiedenen anderen “temporären Marktbegleitern”. Ich verwende Windows Phone seit August 2010, und ich bin nach wie vor immer wieder in das System verliebt. Durchdacht, benutzerfreundlich, schnell und komfortabel.
Das hindert mich jedoch nicht daran, auch zu sehen, dass die Plattform eben erst die zweite, nicht die fünfte Iteration darstellt und es deshalb an manchen Stellen einfach hakt – etwa beim Messaging, wo es nicht möglich ist, einem Facebook-Kontakt, der offline ist (oder als offline erscheint), eine Nachricht zu schicken. Oder auch, wenn man feststellt, dass man einzelne Antworten auf einen Beitrag nicht liken kann. Oder auch, wenn man bemerken muss, dass Twitter zwar sehr weit ins System integriert ist, DMs sich jedoch nicht mit den eingebauten Tools abrufen lassen. Oder vielleicht auch, dass längere FB-Nachrichten nicht komplett angezeigt werden, sondern es einen Link auf die mobile Webseite von FB gibt, wo man sich dann wieder authentifizieren muss. Das sind so die täglichen Kleinigkeiten, an denen man merkt, dass man es mit einer Zweier-Version zu tun hat.
Funktional geht mit Windows Phone nahezu alles, was auch mit dem iPhone geht. Letztlich ist es im Alltagsbetrieb kein schlechteres System, wenn man sich einmal drauf eingelassen hat. Besonders angenehm sind die sozialen Netzwerke und deren Integration, die Office-Integration, SkyDrive, die E-Mail-Applikation und die vielen, vielen Möglichkeiten, an Informationen zu gelangen und verknüpfte Informationen einfach dort zu haben, wo man sie erwartet und benötigt. Das UI ist – meiner Meinung nach – extrem cool, Live- und Secondary-Tiles machen enorm viel her, die Gruppierung von Kontakten nutzt man sehr gerne und die Ich-Kachel ist einfach nur unerreicht auf anderen Systemen.
Fazit
Tja, welches System ist nun besser? Ganz klar: iOPhone. Oder WinOS. Oder anders ausgedrückt: Sie sind beide für sich klasse.
Ich arbeite jedoch lieber mit Windows Phone, ich mag die Integration und die Aggregation von Informationen lieber, die Mail-App ist angenehmer zu benutzen und ich finde auch die Möglichkeit, verschiedene Geräte zu nutzen, sehr angenehm.
iOS ist bei mir das Gehirn-abschalten-und-es-funktioniert-einfach-alles-System: Da klappt einfach alles, es ist rund und flüssig, es ist alles dort, wo ich es erwarte. Deshalb verwende ich mein iPhone im geschäftlichen Arbeitseinsatz, mein Windows Phone übernimmt die ganzen sozialen Aufgaben.
Würde ich auf eine der beiden Plattformen verzichten müssen, wäre meine Wahl aber ganz klar: Ich würde auf iOS verzichten, nicht auf Windows Phone.